Tiscali – Nuraghendorf in eingestürzter Felsgrotte

Schon seit Jahren geplant,  wurde es jetzt von uns durchgezogen: Die Wanderung nach Tiscali, eine Wanderung und ein Ort, den man schon einmal gesehen haben sollte. Das Wetter war optimal an diesem ersten Oktober, die Sonne schien uneingeschränkt vom tiefblauen Himmel, es war nicht zu heiß und wenig Leute waren unterwegs.

Wie ihr schon wisst, bin ich nicht gerade der top Wanderer, deshalb immer  auf der Suche nach dem Weg, der mir am bequemsten erscheint. Nach Tiscali gibt es drei Wandermöglichkeiten. Einmal der am häufigsten vorgeschlagene Weg, nämlich von Dorgali her kommend von der Ponte s `abba arva aus. Dort beginnt auch der Weg zur Gola Gorropu, der aber in die entgegengesetzte Richtung führt. Von der Brücke aus muss man dann erst einmal ca. 100 Höhenmeter die Scala s`  Surtana hoch, um dann durch ein Hochtal zu wandern bis an den Fuß des Monte Tiscali. Dafür braucht man schon etwa 2 Stunden , um dann erst unten am eigentlichen Berg zu stehen. Diese Idee habe ich gleich wieder verworfen.

Die zweite Variante führt über das Lanaittu Tal zum Fuße des Berges.

Dazu muss man zunächst über eine  strada bianca hoppeln , die aber außer von einem tiefergelegten Ferrari relativ gut von jedem Auto zu bewältigen ist. Rechts und links erheben sich die Karstberge des Supramonte, schon das ein wunderbares Naturerlebnis. Zum Schluss gabelt sich die Straße hin zur Rifugio sa Oche, man fährt aber geradeaus weiter und hält sich immer links. es wird jetzt etwas kabbeliger, geht durch ein paar Schlammpfützen und zwei Kehren den Berg hinauf, bis man am endgültigen Parkplatz ankommt.

Von hier aus gibt es zwei Möglichkeiten den Berg in Angriff zu nehmen. Man kann dem Schild Tiscali 45min folgen. Das ist aber der mühseligere Weg. Wir nahmen natürlich  den einfacheren, der aber deutlich länger geht.

Zunächst folgt man dem  schnurgeraden Schotterweg wieder einige hundert Meter talrückwärts, dann biegt man in ein trockenes Flusstal ein und geht quasi in diesem um den Berg herum, bis man nach etwa einer halben bis dreiviertel  Stunde auf den Weg trifft, der von der Ponte s` abba arva her kommt .

Aber jetzt wird es definitiv ernst. Der erste Anstieg ist noch ganz locker und auf einem breiten Weg. Ich habe sogar noch eine kleinere Wandergruppe überholt, was mir sonst nie passiert. Dann erreicht man die erste kleine Grotte und ab da geht es dann doch recht steil bergauf über Stock und Stein.

Gut, dass ein Wegweiser an der kleinen Grotte vorgaukelt, dass es nur noch 20 Minuten sind. Na gut, ein flotter Bergsteiger schafft das sicher lässig.

Wir wurden inzwischen wieder von der Gruppe eingefangen und überholt. Egal, die Ausblicke sind sagenhaft und schon deshalb bleibt man öfters mal stehen und genießt nur.

Dann plötzlich ein Schild : Tiscali 30 m und das Herz geht auf und der hochrote Kopf nimmt langsam wieder eine normale Gesichtsfarbe an.

Urplötzlich steht man vor dem schmalen Eingang zur eingestürzten Doline.

Der oben offene Hohlraum mit seinen steilen, überragenden, orangerot schimmernden Felswänden eröffnet den Blick auf die Halle und den Höhlenbewacher, der auf seinem wackligen Holzstuhl auf einem Steinsockel trohnt  wie der Wächter des Heiligen Grals und  den Eintrittspreis annimmt.

Eine Führung auf Italienisch wurde in Aussicht gestellt. Leider rasselte der Führer derart schnell seinen Vortrag herunter, dass ich nach fünf Minuten aufgab, etwas zu verstehen. Wir lösten uns von der Gruppe und gingen die durch Holzzäune vorgegebenen Wege allein weiter. So viel habe ich dennoch verstanden, dass man eigentlich nichts so ganz Genaues über diese Ansiedlung weiß. Wohl  auf 1500- 1300v. Chr. von den Nuraghern erbaut, erstreckt sich das Dorf auf bis zu 40 Hütten in zwei Sektoren mit bis zu 200 Einwohnern. Die eine Sektion befindet sich direkt unter den überragenden Felswänden, weit hinuntergehend.

Ein Ausblick nach unten ins Tal durch ein Felsloch lässt aufsteigende Feinde leicht ausmachen.

Die zweite Sektion liegt etwas weiter oben, wenn man sich schon wieder dem Ausgang nähert und erfordert etwas Phantasie.Leider sieht man fast nur noch Fragmente der Siedlung, die wohl bis ins Mittelalter immer wieder von verschiedenen  Volks-Gruppen benutzt wurden, so auch von Römern, später einfach von Hirten und zuletzt nahmen dann auch noch Besucher aus der heutigen Zeit Steine mit und trampelten auf den Mauerresten herum, bis dieser Ort nunmehr nur noch geregelt und eingezäunt besucht werden kann.

Ob Tiscali nun ein Fluchtort ist, aus dem Lanaittutal hochverlegt  oder ein nuraghisches Bergheiligtum, keiner weiß es so richtig. Jedenfalls ist es ein ganz besonderer Ort, der schon auf einen wirkt, zumal man ihn sich doch mit einer Menge Schweiß erlaufen muss.

Man kann nun rückwärts über den Berggipfel den anderen Weg nehmen, der zwar durch eine spektakuläre Felsrinne führt, aber gerade abwärts noch schwieriger sein soll, wie uns die Wanderer erklärten, die dort aufgestiegen sind. Wir haben uns also für denselben Rückweg entschieden und genossen beim Abstieg noch einmal so richtig die wunderschönen Ausblicke.

Eins noch zum Schluss: Richtig gute Wanderschuhe halte ich für zwingend notwendig, keine so dünnen Stoffturnschühchen oder gar Sandalen und unbedingt genügend zu trinken mitnehmen, auch wenn man zunächst schleppen muss, man ist über jeden Schluck Wasser früher oder später dankbar. Übrigens, obwohl in einigen Reiseführern immer wieder geschrieben steht, dass der Weg schlecht ausgeschildert und mühsam zu finden ist, kann ich nur sagen, dass zumindest unsere Variante sehr gut ausgeschildert war, mit Wegschildern, Nummern ( 411/408) und rotweißen Markierungen an Steinen, besonders auch im  Flusstal, das sonst nicht so leicht zu durchwandern ist.

 

Garmin GPS Daten vom Parkplatz: N40° 14.872′ E9° 29.526′

 

Ein Link zu Nuraghen

Nuraghen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.