Tiscali – zum Zweiten

Nachdem wir vor zwei Jahren schon zur Doline mit Nuraghendorf hochgestiegen sind, wollten wir nun den Berg von der anderen Seite in Angriff nehmen, zumal wir schon Bilder gesehen haben, die diesen Anstieg doch recht interessant aussehen ließen.

Die Anfahrt war dieselbe, durch das Lanaittutal und dann nicht Richtung Rifugio sa Oche, sondern geradeaus weiter bis zum Standort Rovaglia, wenn es Auto und Bodenbeschaffenheit erlauben. Ansonsten muss man halt vorher an der Wegseite parken und zu Fuß weiterziehen.

Dieses mal also der Aufstieg von der Westseite her und dem Wanderschild „Tiscali“ folgend. Natürlich waren wir mal wieder völlig alleine unterwegs und auch schon sehr früh morgens. Die Bergseite lag noch schön im Schatten und der Weg war zunächst eher bequem bergaufführend.

Ein ganz Mutiger hat noch etwa einen halben Kilometer weiter oben geparkt, hatte aber ein entsprechendes Fahrzeug und war vielleicht der Tiscali-Dorfaufpasser, der ganzjährig sein Tiscali  auf seinem Holzstuhl bewacht und jeden Wanderer nett begrüßt. Aber so weit waren wir noch lange nicht.

Wir folgten dem enger werdenden Fußweg und es ging jetzt doch steil bergan.

Aber es pressierte ja nicht und so nahmen wir uns genügend Zeit für Ausblicke beziehungsweise Rückblicke ins Lanaittutal.

An dieser Stelle schwante mir dann schon Ungutes und ich befürchtete da am Steilrand entlang zu müssen. Natürlich kam es genau so, war dann aber doch einfacher als gedacht. Und natürlich gingen wir an einem markanten Wegstein vorbei, an dem wir laut Rother Wanderführer links bergauf hätten abbiegen sollen. Nur gut, dass wir den Irrtum relativ schnell bemerkten und halt wieder abstiegen.

Jetzt ging es doch noch steiler im Bergwald bergauf und man musste ab und zu schon richtig über Stock und Stein steigen und  sich beherzt an den angelegten Wacholderstämmen Hilfe einholen, also ich musste das.

Schneller als gedacht erreichten wir ein Wegkreuz, das Tiscali nach links auswies, in 15 Minuten zu erreichen.

Davor hatte die Natur allerdings noch ein paar Hürden gesetzt, beginnend mit einer engen Felsspalte, die mittels Steinbrocken als Trittstellen überwunden werden musste.

Mein erster Gedanke war, ob ich da wohl durchpasse? Zu peinlich, wenn man nicht weiterkäme. Aber es ging gut und schlussendlich war die Spalte breit genug. Tritt für Tritt ging es durch und am Scheitelpunkt angekommen, vernahm ich ein schnaufendes Geräusch hinter mir. Just da muss doch jetzt ein  junger, agiler Engländer auftauchen, der sicher nicht abwarten wollte bis ich mich an der anderen Seite wieder hinuntergearbeitet hätte. Mir entfleuchte so ein Sch…..

Also habe ich mich den Coronaregeln folgend dicht an die Felswand gepresst, Gesicht zum Fels und einmal tief Luft geholt. Der Engländer fragte noch “ are you sure?“ , ich nickte und Hinterteil an Hinterteil ging er vorbei und ich konnte wieder ausatmen.

Danach konnte ich gemächlich den Abstieg fortsetzen. An einem echt großen Stein musste ich sogar die Variante auf dem Hosenboden hinunter anwenden. Der Stein war so glatt, dass das sicherlich viele andere auch schon bevorzugten.

Danach kamen wir an die bekannte Rinne. Es ist schon ein toller Anblick.

Es ging weiter auf sehr gerölligem und mit spitzen Steinen durchsetzten Untergrund. Auch ging es nun bergab, was mich eher irritierte, aber die Markierungen waren zwar spärlich, aber dennoch ab und zu da. Außerdem gab es eh keine Alternative.

Im Prinzip liefen wir außerhalb um die Doline um den Bergrücken herum auf die Ostflanke des Berges, bis wir auf die Wegkreuzung trafen, wo der Weg von der anderen Seite heraufkam, den wir vor zwei Jahren machten.

Jetzt waren es nur noch ein paar Minuten auf bekanntem Weg und wir standen am Eingang der Doline, wo zum einen der Engländer schon beim Vesper war und der Höhlenbewacher den Eintrittspreis in die Hand gedrückt bekam.

Da wir dieses Mal unser neues Weitwinkelobjektiv dabei hatten, konnten wir noch schönere Bilder machen, aber entscheidet selbst.

Übrigens, den Gipfel haben wir wieder nicht bestiegen, sind irgendwie am Zustieg vorbei. Aber das ist egal, das Nuraghendorf ist allemal interessanter.

Das wäre er gewesen.

Nach einer schönen Pause sind wir auf der uns bekannten Seite wieder bergab bis zum Talgrund, wo der Weg zur Ponte sa Barva abzweigt, wir aber durch das ausgetrocknete Bachbett zurück zu unserem Ausgangspunkt im Lanaittutal wanderten.

Mein Fazit wäre, dass sich die Rundwanderung  grundsätzlich lohnt, die Ausblicke von der Ostseite aus finde ich schöner, allerdings ist dieser Weg doch ein gutes Stück länger und am Schluss, wenn die Füße vielleicht doch schon etwas müder sind, durchs Bachbett nun auch nicht mehr so angenehm. Der andere Aufstieg ist doch ein gutes Stück kürzer, dafür natürlich insgesamt steiler, denn die Höhenmeter sind immer gleich, egal von welcher Seite. Ansonsten gelten die gleichen Regeln was Schuhwerk und Wasservorrat angeht wie im ersten Beitrag, aber das wisst ihr ja auch so. Der Weg war gut ausgeschildert und kann  im Internet ( z.B. outdooractive ) gefunden werden , als auch im schon benannten Rother Wanderführer.

Garmin GPS Daten vom Parkplatz: N40° 14.872′ E9° 29.526′

Im ersten Beitrag über Tiscali findet ihr noch ein paar Ausführungen zum Nuraghendorf, wenn es euch interessiert.

Tiscali – Nuraghendorf in eingestürzter Felsgrotte

 

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