Nuraghe Nolza bei Meana Sardo

Einsam liegt sie auf einer kleinen Bergkuppe  der Hochfläche Su Pranu, südlich von Meana Sardo. Und leicht zu finden ist sie auch nicht, da sie etwas entfernt ist von den Durchgangsstraßen und ihr Standort nun auch nicht gut ausgeschildert wurde. Aber die Mühe, sie zu finden lohnt sich.

Die Nuraghe liegt etwa 8 km südlich von Meana Sardo . Man kann gleich am südlichen Ortsende  auf eine kleine Nebenstraße einbiegen oder erst später von der SS 128, die nach Laconi führt, rechts runter abbiegen und versuchen den Holzschildern zu folgen. Es gibt wohl auch einen extra Haltepunkt des Trenino Verde, um die Nuraghe zu besuchen. Davon kann ich allerdings nichts berichten. Wir sind auf einer Feld- und Wiesentour zu ihr hingefahren. Spätestens an der letzten Abbiegung hoch zur Nuraghe sieht man sie schon auf der Bergkuppe liegen und erahnt ihre gute strategische Lage.

Wir stellen das Auto an einem kleinen Parkplatz ab und gehen zu der Hütte unten am Berg. Gleich werden wir von einer sehr netten Dame begrüßt und zusätzlich streifen zwei Hunde um unsere Füße. Die Frau führte uns dann hoch zur Nuraghe und erklärte ausführlich ihre Entstehung und ihren Aufbau. Zunächst genossen wir aber den herrlichen Panoramablick und erkannten schnell, warum gerade dort eine so große Nuraghe mit Hüttendorf erbaut wurde.

Der ursprüngliche Eingang wurde in Richtung Sonnenaufgang gelegt. Welch schöne Vorstellung, wenn man morgens von den ersten Sonnenstrahlen geweckt wird.

Ich möchte euch jetzt gar nicht mit den verschiedenen Bauphasen, den dazu verwendeten Materialien und weiteren Umbauten langweilen. Das ist besser, wenn man das vor Ort sieht und sich durch profundes Wissen der Führer erklären lässt.  Jedenfalls war es sehr interessant und vor allem durften wir auch zusammen mit der Führerin in die Nuraghe hineinsteigen. Bei einer Treppe befürchtete ich schon, darin steckenzubleiben oder wahlweise auf den sehr schmalen Treppen runterzurutschen. Ist aber nicht passiert.

Natürlich gibt es in der Mitte den Hauptturm, der wohl ca.  13m hoch war, darum herum eine vierseitige Bastion mit Ecktürmen. Außerhalb der Bastion befindet sich noch eine etwa 2ha große Hüttensiedlung, die aber noch nicht ausgegraben wurde, aber so erahnt werden kann. Schade, dass die Ausgrabungen im Jahr 2010 komplett eingestellt wurden.

Interessant waren auch die zahlreichen Funde im Inneren des Nuraghenkomplex. Da sind zum einen die Bronzettifiguren. Das dazu verwendete Material stammt wahrscheinlich aus der Mine Funtana Raminosa, die nicht weit entfernt liegt. Dann fand man viele Schüsseln, Näpfe, Vasen, Pfannen mit Motiven, Farbmühlen und Werkzeuge aus Obsidian, die der Bronzezeit vom 14.-13. Jahrh. v. Chr. zugeordnet werden.

Auch über Fußböden aus Schieferplatten und Korkauflagen wurde uns berichtet. Was heute wieder im Kommen ist, nämlich die Verwendung regionaler Werkstoffe, war damals gang und gäbe.

Ich habe mir dann die Frage erlaubt, wo denn die ganzen Fundstücke zu besichtigen wären. Mit hochgezogenen Augenbrauen erklärte die Führerin dann, dass die meisten in einem Raum bei der Commune gelagert werden. Einfach so, ohne die Möglichkeit der Besichtigung, schade. Einige Fundstücke sind in Cagliari im Museum und einige im Museum von Teti.

Außenherum kamen wir dann an einen Platz , wo Fundstücke aus den Türmen wie ein Puzzle  auf dem Boden lagen. Man kann ja mal versuchen, ob man sie richtig zusammensetzen könnte.

Zum Schluss wurde uns dann noch das Panorama rundum erklärt, vom Meer bei Oristano im Osten, über den Monte Arcuentu, der mir durch seine besondere Form immer die Richtung weist, den Bergen des Gennargentu im Rücken und die Bergrücken der Marghine um Bolotana, der Giarra im Campidano und die Berge des Montiferru.

Da wir dort sehr einsam waren, das besondere  Licht des nahenden Abends hatten und die Ruhe genießen konnten, samt einer persönlichen Führung, war es für uns ein besonderer Abschluss des Tages. Aber auch sonst kommen jetzt nicht sehr viele Touristen, erklärte uns die Frau auf dem Rückweg den Hügel hinunter, schade eigentlich. Klar, mit Barumini oder den anderen großen Nuraghen kann Nolza nicht konkurrieren, aber so als kleine, aber feine Nebennuraghe hält sie allemal Stand.

Garmin GPS Daten : N39° 55.017′ E9° 04.491′

Nuraghen

 

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