Gola di Gorropu – einzigartiges Schluchtenerlebnis

Lange sieht man den schmalen, dreieckigen Schluchteneinschnitt schon von der Straße SS 125  aus, tief eingeschnitten unten  am Talschluss des Oddoene-Tals , wenn man von Dorgali Richtung Genna Silana fährt. Nachmittags liegt sie im tiefen Schatten am Fuße des Supramonte, der Rio Flumineddu hat diese Schlucht geschaffen und wir wollten sie nun endlich auch einmal erkunden.

Bevor man am Schluchteingang steht hat man allerdings erst einmal zu tun, sprich zu wandern. Da gibt es drei mir bekannte Möglichkeiten. Man kann von der Passhöhe am Silana  in etwa  eineinhalb Stunden stetig bergab auf einem gekennzeichneten Wanderweg gehen, dabei aber nicht vergessen, dass man die fast 800 Höhenmeter nachher wieder hinauf muss.

 

Die zweite Variante geht vom Oddoene Tal aus, das man von Dorgali her kommend bis zur Brücke s`abba barva befahren kann und von dort aus, auch stetig leicht ansteigend in etwa zwei Stunden oder 6,5 km bis zum Talschluss auf einem bequemen Wanderweg oberhalb des Flumineddu  entlanggeht.

Wir haben die dritte Variante gewählt und uns eine kleine Jeep-Tour gegönnt, um den Weg im Tal etwas abzukürzen. Dazu fährt man die SS 125 ein gutes Stück hoch Richtung Silana, bis man auf der rechten Straßenseite an einen Parkplatz kommt, wo sich das Campo Base Gorropu befindet.

Allein von dort oben aus bietet sich einem schon ein herrlicher Ausblick ins Tal, vor allem, wenn man um die Hütte herumläuft.

Die Mitarbeiter bieten nun von dort aus eine Jeeptour ins Tal an auf einem echt schmalen und ausgesetzten Steinweg. Ich habe schon das ein oder andere Mal die Luft angehalten und die Hinterbacken zusammengeklemmt, wohl wissend, dass das im Ernstfall auch nichts nützt.

Die Jeeps fahren in der Regel alle Stunde von dort oben ab und holen einen am Nachmittag nach Vereinbarung auch wieder unten im Tal ab. Es empfiehlt sich aber, vorher nochmal Kontakt aufzunehmen, weil sich die Touren je nach Jahreszeit zeitlich auch ändern können. Die Mitarbeiter sind sehr freundlich und bieten auch andere Touren noch an.

Viele nutzen dieses Angebot auch, wenn sie vom Silana-Pass heruntergelaufen sind und  sich den Rückanstieg  ersparen wollen. Die Fahrer bringen einen sogar wieder hinauf bis zur Passhöhe.

Im Tal angekommen muss man dann den Flumineddu auf ein paar Steinen überqueren,

kurz den Hang hinauf und trifft dann auf den Weg, der von der Brücke her kommt. So in etwas sind es nun noch 45 Minuten  bis zum Eingang der Schlucht, die in der herrlichen Bergwelt schnell vergehen.

Gewaltig erheben sich die Kalksteinwände des Cayons, der sich mit zu den schönsten und tiefsten Europas zählt. Die einen schreiben bis zu 500 Metern, andere nennen weniger. Mir egal, sie sind gewaltig, ich habe nicht nachgemessen und man steht schon als kleines Menschlein vor diesen Felsmauern, die sich rechts und links aufbauen.

Allerdings steht da auch ein kleines Holzhäuschen, an dem man die fünf Euro Eintritt bezahlt, die Kassiererin hat uns vorher mit dem Jeep heruntergefahren und ist wohl deshalb so rasend schnell an uns vorbei Richtung Schlucht gelaufen. Aber der Eintritt ist absolut korrekt und man bekommt gleich noch eine launige Einführung von einem Guide. Die Schlucht darf man dann allerdings alleine erkunden.

So erzählte der Guide uns etwa, dass die Schlucht auch gleichzeitig eine Sprachgrenze ist zwischen dem Dialekt aus Orgosolo und dem aus Dorgali, sodass wohl sogar früher die einen die anderen nicht verstanden oder es auch nicht wollten. Das erinnerte mich an Dialekteigentümlichkeiten, die es vor zig Jahren auch bei uns mit den Nachbardörfern genauso gab. Er erklärte uns eine Pflanze, die endemisch ist, das heißt, sie findet man ausschließlich hier. Ihr Name ist Fiorita dell `Aquilegia di gorropu, wohl eine Art Ranunkel. Auch der Steinadler ist hier zu beobachten , er nistet in den Felsvorsprüngen und kleinen Höhlen, die das Wasser geschaffen. Diese haben wohl auch keine Angst vor den Menschen, weil sie genau wissen, dass die niemals an ihre hohen Nistplätze gelangen und ihnen auch so nichts tun. Im September haben wir aber weder die Blumen gesehen, nur das Grünzeug, noch die Vögel.

Der Rest war aber so auch eindrucksvoll genug. Vor etlichen Jahren hat sich sogar noch ein Hirte mit seinen Schafen in der Schlucht aufgehalten und ansonsten ranken sich noch einige Sagen um diesen Ort. Aber das ist ja typisch für solche  besondere Naturerscheinungen.

Die Schlucht wird in drei Zonen eingeteilt, beginnend mit der grünen und endend mit der roten, die aber vom Normalwanderer nicht begangen werden sollte, da sie nicht gesichert ist. Der Führer hat uns auch gesagt, dass er da keine Lust habe, verirrte Wanderer herauszuholen oder solche, die über die Riesensteine abgerutscht sind und sich verletzt haben. Ansonsten geht man halt auf eigene Gefahr. Selbstverständlich der Hinweis keinen Müll liegenzulassen oder einen Busch fürs Geschäft aufzusuchen. Vor der Schlucht gäbe es Tausende von Büschen hinter die man gehen könne, belehrte uns der Guide.

Eine Markierung, die uns gezeigt wurde, weist auf die Wasserhöhe hin, die im Falle hoher Niederschläge erreicht werden kann und sie ist deutlich höher, als unsere Köpfe . Im Normalfall ist aber kein Wasser in der Schlucht, weil es weiter oben, am südlichen Beginn der Gorropu im Kalkgestein versickert und erst am nördlichen Ende der Schlucht wieder auftaucht. deshalb sind direkt vor der Schlucht auch schöne Wassergumpen, an denen man die Füße nach der Wanderung wunderbar erfrischen kann.

Endlich sind wir dann losgezogen, über riesengroße  vom Wasser rund- und glattgeschliffene Felsbrocken geklettert.

Dann weiter hoch am Felsrand entlang, schmale Durchstiege um dann dahinter wieder auf ein breites Kiesbett zu gelangen, das man problemlos durchwandern kann, bis einem ein Felsbrocken wieder den Weg versperrt.

Einen Riesenstalagtit haben wir entdeckt , viele Nischen und Höhlen sind vom Wasser ausgewaschen worden.

Links und rechts rücken die Felswände näher und weiten sich wieder.

Die Zeit haben wir völlig vergessen, aber insgesamt waren wir sicher eine Stunde unterwegs. Inzwischen fuhr ein kühler Wind durch die Schlucht, angenehm, wenn es heiß ist.

Im Bereich der gelben Markierung sind wir dann umgedreht. Sicher hätten wir noch gut weitergehen können, aber die Zeit war doch schon fortgeschritten und man brauchte nun Hände und Füße gleichzeitig.

Bevor wir dann den Rückweg zu unserem bequemen Transfer Jeep angetreten sind,

haben wir noch unsere Wasserflasche an der Quelle, beim Schluchtenausgang gefüllt und kurz ein Picknick am wieder fließenden Fluss gemacht.

Insgesamt ein tolles Erlebnis, das ich jedem Sardinienbesucher ans Herz legen möchte. Nicht umsonst wird der Canyon in jedem Reiseführer erwähnt, was natürlich aber auch dazu führt, dass man nicht allein unterwegs ist, auch nicht außerhalb der Saison. Uns sind etliche Wandergruppen jedweder Nation begegnet, trotzdem war es kein Massenauflauf. Vor allem ist es auch mit Kindern sicher ein besonderes Erlebnis. Dazu würde ich aber den Weg im Tal entlang empfehlen, denn der von der Passhöhe herab fordert schon heraus, ich bin ihn ein kleines Stück gegangen. Das man genügend Wasser mitnimmt ist klar, vor allem dann in den heißen Sommermonaten und ein Vesper empfiehlt sich auch. Insgesamt, ohne Jeepunterstüzung, kann man mit fünf bis sechs Stunden schon rechnen, wenn man sich für die Schlucht und alles andere ausgiebig Zeit nehmen will.Übrigens nicht wundern: Der Namen der Schlucht wird auf mehrere Arten geschrieben, wie die einzig richtige Schreibweise ist , konnte ich bisher nicht erkunden. Trotzdem weiß jeder, welcher wunderschöne Ort damit gemeint ist.

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