Domus de Janas – Montessu

Domus de Janas heißt übersetzt Feenhäuser. Das hat aber mit Feen überhaupt nichts zu tun, nur in früheren, mündlichen, alten sardischen Geschichten tauchten sie als Phantasiefiguren auf. Es sind aber sogenannte Nekropolen, also Grabstätten, die  der Zeit von 4000 v. Chr. bis etwa 3300v. Chr.  der Ozierikultur zugeordnet werden. Eine der größten und für mich schönsten Domus de Janas, Feenhäuser gefällt mir viel besser als Nekropole, findet man bei Villaperuccio, nämlich die Felsengrabstätte von Montessu.

Mit 35 Necropolen ist Montessu neben Anghelu Ruju bei Alghero mit eine der größten in Sardinien und dem gesamten westlichen Mittelmeerraum. Solche Gräber sind über ganz Sardinien verteilt, sicher habt ihr schon überall dieses Hinweisschild gesehen, aber nirgends sind sie so zahlreich und für mich perfekt zur Landschaft passend gebaut worden wie hier in Montessu. Die Gräber haben überall die gleiche, typische Quaderform, ausgehöhlt und mit abgerundeten Ecken und kleinen Durchgängen. Schon die Vorstellung, dass diese Gräber mit bloßem Steinwerkzeug ausgeschlagen wurden, zeigt  die Kraft und den Willen, eine besondere Grabstätte zu schaffen.

Den Ort zu finden ist einfach. Man fährt nach Villaperuccio, das etwa 3km von Santadi entfernt ist. Da nimmt man die SP 80 nach Narcao und nach wenigen Kilometern biegt man am Hinweisschild links ab in die beginnende Hügellandschaft und fährt zum Parkplatz am unteren Rand des Parks. Hier ist ein kleines Ausstellungsgebäude mit Fotos und Erklärungen, sowie die Kassenstelle.

Wenn man außerhalb der Saison kommt und nichts los ist, kann man dann mit dem Auto noch zu einem Miniparkplatz ein gutes Stück den Berg hochfahren und von dort aus zunächst über eine Treppe zu einem Hochplateau steigen, wo man dann den eigentlichen Rundgang entlang der Gräbergruppierungen beginnt.

Überall sind Tafeln aufgestellt, die die Gräbergruppen nummerieren und erklären.

In Montessu findet man Gräber der unterschiedlichsten Typen und Größen von ganz kleinen Einraumgräbern bis hin zu Monumentalgräbern mit mehreren Grabkammern und extra Zugängen von außen.

Die Toten wurden nicht ausgestreckt in das Grabmal gelegt, sondern in fötaler Haltung auf einem Steinsims, das erklärt auch die zum Teil  winzigen Gräber. Neben die Toten legte man Grabbeigaben in tönernen Gefäßen, Essen, Trinken und  Dinge, die die Toten ins andere Reich begleiten sollten.

Neben Klein und Groß gibt es aber in Montessu noch eine weitere Besonderheit, ein ganz besonderes Grab, das „Tomba delle spirali“. Wie der Name schon sagt, wurde es mit Spiralen im Stein verschönert.

Bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhundert wurden Gräber, die sich in der Nähe des Ortes befanden, oftmals noch als Unterstände und Wasser- oder Futterkammern für die Nutztiere  benutzt. Inzwischen ist aber die Bedeutung dieser Gräberkammern offensichtlich geworden und sie wurden dem archäologischen Erbe der Insel unterstellt.

Aber nicht nur der archäologische Rundgang lohnt einen Besuch Montessus, sondern auch die wunderbare Landschaft, in der sich die Grabstätte befindet. Klar, man muss ein paar Schritte hochlaufen, wird dafür aber mit einer tollen Rundumsicht belohnt.

Im Gelände verteilt gibt es ein paar Brunnen, ob es allerdings Trinkwasser ist wollte ich nun nicht ausprobieren, sondern kühlte nur meine Arme kurz, denn trotz September war es noch ordentlich heiß. Im Hochsommer möchte ich wohl nicht hier im schattenlosen Terrain herumlaufen, bestenfalls mit genügend Wasser ausgestattet.

Garmin GPS Daten von der Kasse : N39° 07.854′ E8° 40.273′

Garmin GPS Daten vom Parkplatz: N39° 07.935′ E8° 40.096′

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