Nora – Nuragher-Phönizier-Punier-Römer

Alle wussten es genau, warum sie gerade dort, auf dieser Landzunge vor dem Städtchen Pula, ihre Niederlassungen bauten. Strategisch gut gelegen, Binnenhafen und  Außenhafen und man sah, wer übers Meer kam zum Stehlen, wie ein altbekanntes sardisches Sprichwort sagt. Und  schließlich , wer möchte nicht gerne ein Haus mit Meerblick.

Zuerst waren die Nuragher da. Leider findet man kaum Zeugnisse aus dieser Zeit. Jede nachfolgende Bevölkerungsgruppe  hat die Errungenschaften der Vorgänger platt gemacht und auf den Resten, sofern noch vorhanden, neu aufgebaut. Im 9. Jahrhundert vor Christus begannen dann die Phönizier hier zu siedeln. Man sagt, dass sie gerne solche Landzungen oder Vorgebirge als Stützpunkt benutzten, so wie auch Karalis, Bithia oder Tharros. Den Phöniziern war vor allem der Handel wichtig und deshalb dann auch die Häfen, von denen es drei in Nora  gab. Im 5. Jahrhundert vor Christus  kamen die Karthager, von den Römern als Punier bezeichnet, und übernahmen feindlich die bisherige, wenig strukturierte Anlage von Nora. Dabei zerstörten sie alles, was an Kulturgütern vorhanden war. Sie bauten neben dem Tempel von Tanit, Festungswerke, eine Gießereiwerkstätte und Ein- oder Mehrfamilienhäuser mit Innenhöfen und Zisternen für Regenwasser.

Und dann kamen ab etwa 240 vor Christus die Römer, die dem heutigen noch sichtbaren Nora seine Prägung gaben. Auch sie ließen von den Vorgängern kaum etwas stehen, brannten die Stadt nieder und bauten ihre eigene  auf mit allem, was für die Römer typisch war. Allerdings hat es wohl einige Zeit in Anspruch genommen, bis die Stadt, die von den römischen Machthabern als  „einem zu Rebellion geneigten Zentrum“ benannt wurde, in der neuen römischen Ordnung einsortiert war. Ab der Mitte des 5. Jahrhunderts nach Christus war dann Schluss mit Nora. Die einen sagen, dass die einfallenden Barbaren, Piraten, Sarazenen Nora zerstörten, andere sprechen von einer Naturkatastrophe.

Auf unserem geführten Rundgang, Alleingänge sind nicht gestattet, bekamen wir deshalb vor allem die Überreste  des römischen Nora zu sehen.

Am Beginn geht man aber zunächst zu dem punischen Tanittempel auf einen Hügel, von dem aus man das ganze Gebiet weiträumig sehen kann. Unter uns liegt die Stadt mit ihren Wohnvierteln, je nach Reichtum der Einwohner gegliedert, die vier Thermen, die ebenfalls je nach Gesellschaftszugehörigkeit getrennt waren, die gepflasterten Straßen, das kleine Amphitheater.

Nora war eine blühende Stadt. Allein die vier Thermen zeugen davon, mit allem Komfort ausgestattet. Je reicher die Besucher waren, je besser die Ausstattung und Lage der Therme natürlich. Ein Frigidarium, ein Tepidarium, ein Calidarium,  je nach Temperaturlaune des Badenden. Fußbodenheizung und Umluft, Badegänge von einem Raum in den anderen, Umkleideräume, wundervolle Mosaikböden, in denen man Wellenbewegungen erkennen kann. Ach, was haben es sich die Römer gutgehen lassen. Ich sehe da immer mein Asterixheftchen vor mir, wo sich die Römer auf Sofas liegend die Trauben in den Mund fallen lassen.

Dort wo die Kleinen Thermen sind, sieht man viele Mauerreste von kleineren Häusern entlang einer Pflasterstraße. Dort war wohl eine Ladenzeile mit Läden im Erdgeschoss, darüber die Wohnung und der Markt für die kleinen Leute. Dieses Viertel hatte auch keinen Wasseranschluss und keine Abwasserrohre, auf die die Reichenviertel mächtig stolz waren. Allerdings führten die Abwasserkanäle stets vor die eigene Haustüre ins Meer, allerdings unterirdisch.

Anschließend gingen wir ins Reichenviertel, wo die Straßen und Plätze weitläufiger wurden. das Haus des viersäuligen Atriums ist hier der Höhepunkt. Es entsprach mit seinen Terrassen, die sich zum Innenhafen öffneten, den herrlichen Böden und den mächtigen Säulen genau meinen Vorstellungen der idealen Immobilie. Die Säulen lagen übrigens auf dem Boden herum, unversehrt, und wurden zur Veranschaulichung des Atriums wieder an Ort und Stelle hingestellt. Ich stelle mir laue Sommerabende auf der Terrasse vor, sehe die vorbeiziehenden Handelsschiffe, die natürlich unserer Familie gehören, führe launige Gespräche mit Senatoren und halte eine Erfrischung in der Hand.

Schluss mit Träumen, es geht weiter zum Theater. Im Halbkreis steigen die Steinstufen an, Sitzordnung nach Reichtum, was auch sonst. Das Theater war eine Freilichtbühne mit Planen überdeckt zum Schutz vor Sonne und Hitze.

Ans Theater schließt sich das Forum an, das an der offenen Meerseite liegt. Hier fand alles statt, was mit Handel, Verwaltung und Recht zu tun hatte. Kommt aber eine Riesenwelle, dann sind auch die Beamten und Reichen hier ganz schnell weg, was die Menschen dann wieder irgendwie gleich macht.

Für die Gesundheit wurde in einem Äskulaptempel gesorgt, der etwas außerhalb der Stadt stand. Dort fand man ein Mosaikbild mit der markanten Schlange. dieser Tempel konnte nicht besichtigt werden.

Für mich selbst waren eigentlich die Mosaikböden das Beeindruckendste. Ich lernte, dass je kleiner die Mosaiksteinchen und filigraner das Motiv , je teurer waren sie. Die Farben sollten die Farben der Insel widerspiegeln, vor allem Braun und Gelb und ein verwaschenes Blau. Außerdem kamen die Steinchen von einem örtlichen Handwerker.

Tipps: Parken am besten bei der Kirche Sant`Efisio. Dort gibt es einige, gebührenpflichtige Parkplätze. Man darf nicht bis zum Eingang der Ausgrabungsstätte fahren, etwa 10 Minuten gemächlich zu laufen mit schönem Ausblick auf den Strand von Pula und die Kirche. Es gibt Führungen auch in Englisch, wir nahmen die italienische, weil es die nächste war, die stattfand. Ich hatte Mühe viel zu verstehen, da die Führerin sehr schnell sprach. Heimlich machte ich mich von dannen und wollte mich ganz unauffällig einer englischen Kleingruppe anschließen. Mir wurde aber gleich ein „no“ entgegengeschleudert, Privatführung, na gut halt Brexit auf der Insel. Die Führung dauert etwa 45 Minuten, danach kann man noch in Eigenregie zum Torre vorlaufen.

Da unsere Parkzeit ablief und wirklich gut kontrolliert wird, sind wir schnell zu unserem Auto gegangen, haben nochmal einen neuen Zettel gelöst und uns ganz entspannt in das kleine Restaurant/ Bar gesetzt, direkt am Weg zum Eingang der Stätte, etwas erhöht gelegen.

 

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