Cagliari

 

Nun sind wir keine so großen Stadtgänger, aber die Hauptstadt der Insel verlangt doch hin und wieder einen Besuch, der sich übrigens durchaus lohnt. Cagliari hat im Stadtgebiet ca. 150 000 Einwohner und in den Außenbezirken kommt nochmals ca. eine halbe Million Einwohner dazu. Cagliari ist damit die größte Stadt der Insel und zugleich ihre Hauptstadt. Sie liegt ganz im Süden , grenzt direkt ans Meer und ist deshalb auch die Brücke nach Afrika.

Ich will euch jetzt nicht mit langen geschichtlichen Entwicklungen langweilen, sondern eigentlich nur von unseren Stadtgängen berichten und was für uns interessant und berichtenswert ist. Alles andere könnt ihr in den dicken Reisewälzern nachlesen oder  hier:  https://de.wikipedia.org/wiki/Cagliari 

Uns reichen eigentlich  die drei Stadtbezirke Marina, Castello und Stampace. Sie bilden das eigentliche Kerncagliari. Je nachdem von welcher Seite aus man nach Cagliari hineinfährt , empfindet man entweder Verkehrschaos und weniger schöne Ecken oder sieht den Felsrücken , auf dem sich das Castelloviertel langsam herausschält , besonders schön am Abend bei Sonnenuntergang.

Ich würde nicht empfehlen nach Cagliari komplett reinzufahren, sondern das Auto auf dem großen Parkplatz direkt hinter dem Bahnhof abzustellen. Desweiteren gibt es einige Parkhäuser und auch öffentliche Parkplätze, vor allem entlang der Carlo Felice  und Richtung Hospital. Um so einen zu ergattern braucht es aber eine gehörige Portion Glück. Außerdem läuft man schnell die Gefahr sich auf einen Parkplatz zu stellen, der nicht für Touris vorgesehen ist und dann wird es schnell teuer. Zudem sind viele Straßen zeitweilig gesperrt und wehe man fährt da in diese sogenannte ZTL-Zonen hinein.

Also, das Auto hinter dem Bahnhof abgestellt und der erste Weg führt uns die via Roma entlang. Unter Arkaden findet man zahlreiche kleine Läden mit allerhand, meist teuren Waren, Kleidung, Schmuck, Schuhe. Aber gucken macht ja auch Spaß. Dazwischen sind  immer wieder Cafebars zum Draußensitzen und den Flanierenden zuzuschauen, die  ( fast)  immer eine bella figura machen.

Sieht man über die vierspurige Straße, die für mich nicht störend wirkt und auch frisch saniert wurde, hinweg, erblickt man den Hafen. Dort legen inzwischen immer mehr Kreuzfahrtschiffe an, die hunderte von Touristen in die Stadt spülen, die dann ratzfatz diese besichtigen. Leider kein dolcefarniente  für die Armen. Gut gestärkt mit Cappu und Cornetti schlendern wir dann stadtaufwärts durch das Marinaviertel Richtung Castello.

Gleich hinter der Via Roma, in zweiter Reihe, ist die via Sardegna, die Fressgasse mit vielen, teils urigen und sehr authentischen Trattorien. Die einen sind gut, die anderen weniger und aufs schnelle Menü ausgelegt. Abends ist hier aber viel los und im Sommer isst man auf der Straße mitten im Trubel.

Weiter den Berg hoch kommt man an schönen Plätzen, verwinkelten Gassen und alten Palazzi vorbei.

Überall lohnt es sich zu verweilen und die Auslagen der kleinen Läden zu betrachten, darunter auch ganz besondere, wie etwa einen, in dem man traditionelle sardische Kleidung kaufen kann      https://www.facebook.com/Bistimentas                                                                oder andere, die afrikanisch  geprägte Mitbringsel  anbieten oder sardische Spezialitäten.

Langsam aber sicher werden die alten , leider auch schon leicht angegammelten mehrgeschossigen ,  oft sehr schmalen Häuser renoviert. Nicht selten findet man dort sehr schöne B&B mitten im Stadtleben. Das Marinaviertel wird links von der Carlo Felice, oben von der via Mannu und rechts von der Piazza Costituzione begrenzt. Hier findet man auch das traditionelle Antico Caffè, in dem schon Grazia Deledda oder D.H.Lawrence gesessen sind.

Über dieser Piazza erhebt sich die Bastione di Saint Remy, auf die man dann hochsteigen sollte, da man von oben einen umfassenden Ausblick über die Stadt hat.

Ja, die Stufen können anstrengend sein, aber man kann noch unten nach rechts um die Ecke ausbüxen und einen Aufzug benützen, der einen völlig entspannt nach oben trägt, so er denn funktioniert.

Wir sind nun oben am unteren Ende des Castelloviertels und genießen den Ausblick über die Stadt schlechthin bis zum Meereshorizont.

Hier oben ist es ruhig, sehr ruhig und je weiter wir durch die Altstadtgassen hinaufschlendern , desto noch mehr ruhiger wird es. Verkehr gibt es praktisch keinen, nur Anwohner.  Die Festung wurde einstens von Pisanern erbaut und ging dann in die Hand der Spanier 1326 über. Fortan wohnten hier die Reichen der Stadt, saß die Verwaltung, war der Klerus , die Regierung . Entsprechend sehen die Häuser aus, obwohl auch diese dem Verfall anheim fallen. Aber auch hier wird kräftig renoviert und Kleinode reihen sich an muffelige , halb verfallene Häuser.

Irgendwie liegt ein morbider Charme über dem Ganzen, zumindest für mich.

Innerhalb des Viertels liegt die Kathedrale Santa Maria an einem kleinen Platz zusammen mit dem alten Rathaus, dem Erzbischofspalast und dem Palast des früheren Vizekönig.

Parallel verlaufende Gassen ziehen sich das Viertel hinauf und nicht selten, vor allem wenn der Sonnenschein fehlt, wirkt das Ganze sehr düster.

Aber manchmal wird das Düstere von farbiger Wäsche, die über die  Gassen hängt , Plakaten an Studentenhäusern, die denen in unseren Unistädten sehr ähneln,  liebevollen Blumenbalkonen unterbrochen.

 

Das Castello wird von zwei mächtigen, gut erhaltenen Stadttürmen begrenzt. Der besondere dabei ist der Elefantenturm.Das hat nichts mit seiner Größe zu tun, sondern mit dem kleinen Elefanten aus Marmor, der auf einem Vorsprung steht.

Dieser Turm kann bestiegen werden und auch von hier super Aussicht, vor allem in Richtung Stampace. Ein dritter Turm gehört zur Bastione Saint Remy. An den Elefantenturm schließt sich die Bastione Santa Croce an. Da haben wir letztes Jahr Silvester erlebt und um Mitternacht über die Stadt geschaut.

Weiter entlang der Bastione erreicht man das jüdische Viertel, in dem einstens eine Synagoge stand.Heute steht dort die Chiesa Santa Croce.

Auch im Castelloviertel findet man genügend Anlaufplätze zum Essen und Trinken. Wir genießen  an der Bastione Santa Croce im Cafe Libarium Nostrum einen Abendtrunk mit Blick über die Stadt.

Am Torre Elefante geht man durch das Stadttor und dann steil hinab über Treppen und erreicht die Piazza Yenne. Andersrum hilft übrigens wieder ein Aufzug bei der Kirche Santa Chiara. Die Piazza ist ebenfalls ein hochfrequentierter Treffpunkt bestückt mit verschiedensten Cafes und Bars, ebenso eine Gelateria,  die immer wieder hochgelobt wird.Ich fand das Eis eigentlich ganz normal.  Und Silvester kann man da auch gut verbringen, wenn die Bands aufspielen um Mitternacht .

Hier beginnt  an einer Säule  die bekannte Straße Carlo Felice, die letztendlich nach Nordsardinien führt und nach Cagliari zur SS 131 wird, die fast den Charakter einer Autobahn hat. An der Piazza treffen einige wichtige Straßen aufeinander, der Corso Vittorio Emanuele, der ins Stampace-Viertel führt , eben der Largo Carlo Felice von der Piazza Mateotti ( Bahnhof) her kommend, und die Via Manno, die den oberen Abschluss des Marinaviertels bildet. Diese Straße , die im Prinzip Fußgängerzone ist, ist die Einkaufstraße der Kategorie für den Normalbürger. Hier ist es halt so wie in vielen Städten inzwischen, dass die bekannten Marken dort zu finden sind. Es gibt nur ganz wenige individuelle Lädchen noch.  Geht man die Straße hoch, dann gehen rechterhand immer wieder Aufgänge und Treppen hinab ins Marinaviertel und es eröffnen sich reizvolle Blicke durch die Gassen.

Am Ende trifft man wieder  auf die Piazza Costituzione . Gerade gegenüber der Via Manno beginnt dann die Via Garibaldi, wo sich ein Modegeschäft an das andere reiht mit allem , was der moderne Mensch so meint, dass er braucht. Wir brauchen nichts und lassen die Straße nach einmaliger Besichtigung in Zukunft links liegen.

Wendet man sich an der Piazza Yenne nach links, dann befindet man sich im Stampaceviertel.

Die Legende sagt, dass der Name daher rührt, dass zu Zeiten der Spanier die Einheimischen das Castelloviertel am Abend verlassen müssen. Traf man trotzdem einen an, so wurde der arme Tropf über die Festungsmauer geworfen mit dem  frommen Wunsch hinterher „Stai in Pace“. Wir gingen zuerst ganz hinauf zum Amphitheater und bis zur Viale Buon Cammino. Von dort oben hat man wieder einen klasse Ausblick auf die Stadt. Es ist eine schöne Pinienallee mit Bänken zum Sitzen und sich im Schatten auszuruhen. Übrigens gelangt man von hier aus wieder in den oberen Teil des Castello. Wir gingen aber langsam bergab durch das Stampace, vorbei an zahlreichen Kirchen, die sich inmitten der Wohnhäuser befinden und einem so zunächst gar nicht auffallen.

Ich will hier die Sant` Efisio nennen, weil von dieser aus die bekannte Prozession am 1. Mai beginnt und der Heilige  Efisius bis nach Nora ( Pula) getragen wird. Dieses Fest ist eigentlich das berühmteste Fest in Sardinien und zieht jährlich tausende von Besuchern in seinen Bann. Vielleicht schaffen wir es dieses Jahr einmal dabei zu sein. Ebenfalls im Stampaceviertel findet man den Botanischen Garten von Cagliari, der besonders auch für seine Kakteen bekannt sein soll und einen schönen Ruheplatz in der Stadt darstellt.

Zurück zur Piazza Yenne und langsam geht es hinunter zur Piazza Matteotti, an der sich auch der Bahnhof befindet. Ich finde diesen Platz jetzt nicht gerade schön, er gehört wirklich  überarbeitet. Dort ist auch der Busbahnhof der Stadtbusse und gleich um die Ecke der ARST-Busbahnhof für die Überlandbusse. In der Mitte des Platzes findet ihr eine Touristeninfostelle. Wenn ihr es euch gemütlicher machen wollt oder zuerst mal einen groben Gesamteindruck der Stadtteile haben wollt, dann nehmt das Touristenzüglein, das in den Sommer monaten an der Piazza del Carmine  startet. Die ist ein paar Schritte oberhalb der Piazza Matteotti zu finden.

Soweit bin ich jetzt fertig mit meinem Stadtrundgang. Ein Wort zum Schluss. Natürlich gibt es noch so viel mehr zu sehen und empfehlen. Die ganzen bekannten Museen, allen voran das Archäologische Nationalmuseum, wo man unter anderem Funde aus der Nuraghenzeit ausstellt, die bekannten Bronzetti und andere historische Funde aus ganz Sardinien.   Ansehenswert auch das Santuario di Bonaria im Stadtteil Villanova. Wie der Namen schon sagt, hat es was mit frischer Luft zu tun, die dort wehen soll und die Päpste dort auch schon gerne genießen ab und zu.

Und und und…………….

Willst du dich weiter über das „Und“ informieren, dann ist diese Seite ideal  http://www.cagliariturismo.it/it/muoversi-a-cagliari.

Und die passende Lektüre für ein stilles Bänkchen im Viertel kann ich euch auch noch ans Herz legen  https://www.piper.de/autoren/giorgio-todde-841

 

 

 

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