Cabras und sein Gold

Wer jetzt losrennt , Goldwaschsiebe kauft und denkt, dass er das sardische Klondyke gefunden hat , der irrt . Das Gold von Cabras ist nichts anderes als Bottarga di Muggine oder der traditionell hergestellte, gelborangene , getrocknete und gesalzene Rogen der Meeräsche. Dazu aber später noch mehr. Jetzt soll es erst einmal um Cabras gehen.

Ich weiß auch nicht warum, aber mindestens einmal pro Jahr zieht es uns nun schon ewig lang nach Cabras. Seien es die Menschen dort, von denen wir einige lieb gewonnen haben, sei es die Sinis, deren Einfallstor Cabras ist, ist es der stagno und die Landschaft drumrum. Cabras selbst ist im Grunde genommen ein ganz einfaches, unspektakuläres Fischernest mit etwas über 9200 Einwohnern.Es liegt knapp nördlich vor Oristano, der Provinzhauptstadt im mittleren Westen. Viele  ursprüngliche, einstöckige Häuser säumen die meist schmalen Straßen.

Kleine Geschäfte, die aber in den letzten Jahren oftmals schließen mussten prägen den dörflichen Charakter, so der Fruttivendolo um die Ecke, der Fischladen, Pasticceria und ganz viele Bars , in denen sich die Einwohner nach Sprengel aufgeteilt am späten Nachmittag zum Dorfklatsch einfinden und manchmal immer noch etwas aus zusammengekniffenen Augen die ausländischen Touristen kurz streifen, besonders wenn sie so außer Saison auftauchen wie wir. Aber inzwischen kennen uns schon einige und die Bäckersfrau weiß so ungefähr, was bei uns auf den Frühstückstisch kommt. Und am Donnerstag wird auf dem Wochenmarkt am Stagnoplatz eingekauft.

Eine Besonderheit ist sicherlich die Straßenführung und wehe dem, der zum ersten Mal in dieses Gewirr eintaucht.

Es kann passieren, dass es einige Zeit erfordert, bis man aus den gefühlten 100% Einbahnstraßen wieder herausfindet und eventuell am falschen Ortsende herauskommt. Man kann diesen Vorgang sehr genau von einer Bar aus am Kreisverkehr beobachten, wenn dasselbe Auto mehrmals vorbeikommt. Es kann aber auch sein, dass es der immer gleiche Bursche auf der Pirsch nach netten Mädchen ist.

Cabras hat aber außer seinem ganz normalen Gemeindeleben doch das ein oder andere zu bieten. Dazu gehört der große Platz am Stagno.

Dort finden die großen Feste statt, wie zum Beispiel das Fest zu Ehren der Santa Maria Assunta, der Schutzpatronin Cabras , das über drei Tage geht und am 24.Mai beginnt. Höhepunkt ist der Umzug durch den Ort, der auch von verschiedenen Gruppen, Vereinen , zum Teil in Trachten, begleitet wird. Tage davor wird man schon durch einen lauten Böllerknall, der jedem chinesischen Knaller den Schneid abkauft,  morgens aus dem Bett geworfen. Da ziehen die Gruppen mit einem Karren durch den Ort um Spenden zu sammeln.

Ebenfalls am Dorfplatz wurden neue Schautafeln installiert, die die Geschichte des Dorfes und der Fischerei in alten Fotografien erzählen.große Bedeutung kommt hierbei auch dem frühen Fischerboot zuteil, dem Fassoni. Das ist ein altes Schilfboot, das eben aus dem Schilf des Stagnos gebaut wurde, vorne spitz zuläuft und mit einem Paddel vorwärtsbewegt wird. Vielleicht das erste stand-up-paddel aus grauer Vorzeit. Heute werden damit Rennen gefahren , etwa am 24.Mai , zur allgemeinen Belustigung der Zuschauer.

Der Stagno mit seinem Fischreichtum bildet auch heute noch die Lebensgrundlage vieler Einwohner. Schon in frühen Jahren wird das Fischereirecht streng geregelt und nicht selten kam es zu regelrechten Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fischereiverbünden. Sogar heute noch kann es zu Rivalitäten untereinander kommen und die einen sprechen kein gutes Wort über die anderen.

In einem ausgeklügelten System von abgetrennten Becken, werden die Muggine, die zum Laichen in den Lagunensee schwimmen, im letzten Becken gefangen. Der Rückweg ist ihnen abgeschnitten. Danach werden sie in Cabras weiterverarbeitet. Die Bottarga bildet hier das Produkt schlechthin und wird von Cabras aus in alle Welt verkauft. Natürlich schmeckt die Bottarga am Ort ihres Entstehen am besten. Ein ganz einfaches Rezept führt zu einem absolut einzigartigen sardischen Gericht,  die Spaghetti Bottarga, wo lediglich Olivenöl, Petersilie, vielleicht etwas Peperoncino oder Knoblauch und natürlich Spaghetti  verwendet werden. Natürlich kann man es ganz nach Geschmack abändern und noch kleine Tomaten hinzufügen oder Spaghetti vongole machen und geriebene Bottarga darüber streuen. Aber auch die Meeräsche wird viel gegessen, im Kräutermantel oder in Salzkruste oder am einfachsten nur gegrillt. http://www.orodicabras.it/

In der cooperative Mar‘ e Pontis kann man die Anlagen ebenso anschauen, als auch abends sehr gut essen mit einem dreigängigen Fischmenü. Wir waren dort eigentlich immer sehr zufrieden, die Küche ist allerdings einfach bodenständig.

Der Stagno ist aber nicht nur für die Fische da, sondern auch für viele Vogelarten, so auch der Flamingo. Wenn man Glück hat, sieht man zahlreiche einfüßig im Wasser stehen.Zückt man den Foto, wenden sie sich gerne ab und stolzieren davon. Man könnte meinen, sie machen das absichtlich so. Kurz nach Cabras, Richtung San Giovanni di Sinis liegt rechterhand ein Vogelbeobachtungsturm.

Ein weiters Muss ist das museo civico Giovanni Marongiu. Hier sind die berühmten Giganti vom Monte Prama ausgestellt. Das Ausgrabungsgebiet befindet sich nur wenige Kilometer von Cabras entfernt auf der Sinis.  Eindrucksvoll kann man die bis zu zwei Meter hohen Skulpturen mit ihren runden Steinaugen auf sich wirken lassen. Wer mehr darüber wissen möchte, kann in folgendem Links nachlesen. https://de.wikipedia.org/wiki/Giganten_vom_Mont%E2%80%99e_Prama

http://monteprama.info/#/chapter/1/page/1

Aber auch viele andere Funde aus verschiedenen Epochen sind übersichtlich in den Räumen angeordnet. Seit allerdings die Statuen im Museum ihre Heimat gefunden haben, ist das Museum auch stets sehr gut besucht. http://www.museocabras.it/

In Cabras findet man viele Übernachtungsmöglichkeiten.In den letzten Jahren schossen B&Bs wie Pilze aus dem Boden. Ich möchte unseres gerne weiterempfehlen, schon ob seiner Lage .

Ihr solltet aber das Zimmer oben mit Blick auf den Stagno reservieren. Im Sommer kann es aber sein, dass der Lärm vom Dorfplatz, wo sich abends auch sehr gerne die Dorfjugend versammelt, Schlafen etwas schwierig macht. Da hilft nur  runtergehen und sich noch ein Gläschen gönnen. Irgendwann ist dann immer Schluss auch bei Festen. http://www.bblalocanda.com/

 

Ansonsten waren wir immer in einer Fewo untergebracht, die es aber aus familiären Gründen nicht mehr gibt. Natürlich findet man auch Hotels in Cabras, das bekannte Canu, zu dem auch ein sehr bekanntes Restaurant gehört oder das relativ neue Aquae Sinis, ein sogenanntes Albergho diffuso, das bedeutet, dass die Zimmer in verschiedenen restaurierten Häusern der Umgebung untergebracht sind.

Auch was das Essen gehen anlangt gibt es reichlich Auswahl. Wir essen immer gerne bei Pinuccia, obwohl man danach für einige Tage pappsatt ist und am besten, nach Verkostung ihrer selbstgebrauten Liköre, die sie zu vorgerückter Stunde herausrückt, zu Fuß nach Hause geht. Dabei sollte man sich vorher den Weg genau einprägen, denn siehe oben -Straßengewirr. http://www.agriturismopinuccia.it/

Ein neues Restaurant haben wir auch getestet und für gut befunden, in der Organisation müssen sie allerdings noch etwas zulegen, war aber auch erst ganz neu eröffnet, da muss man dann nicht so pingelig sein. http://www.trattoriasabellecrabasa.com/

Nicht zuletzt will ich noch die bekannte  Weinkellerei Contini nennen, die sich am Ortsrand befindet und wo man den bekannten Vernaccia di Oristano kaufen kann.

An der Länge des Beitrags merkt ihr sicher schon, dass mir Cabras am Herzen liegt und über die Sinis an sich und ihre Schätze habe ich noch gar kein Wort verloren. Das kommt dann an anderer Stelle, ganz sicher.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.