Alghero – die schönste Stadt Sardiniens

So titelte vor einigen Jahren das Merianheft. Ob diese Superlative nun zutrifft, bleibt jedem selbst überlassen. Alghero ist zweifelsohne eine sehr schöne Stadt und mit ihren  so um die 43000 Einwohner auch eine der größeren. Für mich zählt aber eigentlich nur das alte Alghero, also das centro storico oder die mittelalterliche Stadt, die auf einem Felsplateau  direkt am Meer liegt und von den bekannten Bastioni  gegen das Meer eingesäumt ist. Der Rest ist halt Stadt mit mehrstöckigen Wohnhäusern älterer und neuerer Bauart, Ladenstraßen, Supermärkten und allem, was man in einer Stadt so haben , aber im Urlaub nicht unbedingt anschauen möchte.

So richtig interessant wurde Alghero erst im 11. Jahrhundert, als die Doria aus Genua den Ort eroberten und eine erste Festungsmauer um den Kern errichteten. Dann , im Jahre 1354 , kamen die Spanier aus dem Hause Aragon und fielen über die Stadt her. Sie vertrieben die bisherigen Einwohner und verstärkten die  Festungsanlagen um ein weiteres Mal.

So wurde über fast 400 Jahre Alghero zu einer spanischen Kolonie und das hatte Auswirkungen auf die Stadtplanung, auf die Menschen, auf die Sprache. Nicht umsonst gilt Alghero heute noch als katalanisch angehauchte Stadt, die sich von anderen sardischen Städten unterscheidet. So findet man heute noch viele, die katalanisch sprechen, die Straßenschilder sind auf katalanisch und viele Restaurants bieten auch die entsprechenden Speisen an, so zum Beispiel Paella, die man sonst üblicherweise traditionell auf Sardinien nicht bekommt.

Die vertriebenen Einwohner haben übrigens den Ort Villanova Monteleone gegründet, der südöstlich von Alghero in den Bergen liegt. Während der spanischen Besatzung durften die  Sarden nur zum Arbeiten tagsüber in die Stadt. Wer am Abend nicht rechtzeitig draußen war, den konnte schon der Tod ereilen. Scheinbar war dies nicht nur in Cagliari Gepflogenheit.

Im zweiten Weltkrieg wurde Alghero von den Alliierten bombardiert, was man an den  Namen der Hausstrände Bombarde und Lazzaretto ablesen kann, ebenso an den zahlreichen Bunkern entlang der Ausfallsstraßen.

Heute geht es aber mehr als friedlich zu und man kann die Altstadt in vollen Zügen genießen, da sie dem Besucher allerhand zum Anschauen bietet und vollkommen autofrei ist. So lässt es sich völlig entspannt die gepflasterten Sträßchen entlangschlendern.

Da wir ja meistens außerhalb der Saison da sind, ist die Parkplatzsuche für uns ein Klacks. Wir beginnen am Fischer- und Jachthafen , von wo aus auch die Schiffe zur Grotta di Nettuno starten.

Hier an der Mauer starten auch die Bummelzüglein, die eine Stadtrundfahrt anbieten.

 

Bisher haben wir sie noch nie benutzt. Vielleicht sind sie für einen ersten Überblick aber ganz nützlich.

Nachdem wir die diversen Schiffchen betrachtet haben steigen wir hinauf auf die Bastioni Magellano, gehen am Pulverturm

und dem Torre di San Erasmo vorbei und stehen vorne auf der Meerseite.

Das sind jetzt die Bastioni Marco Polo und der Blick geht weit übers Meer bis zum Capo Caccia vor.

Man kommt an alten Kanonen   und Wurfgeschossen vorbei und kann sich gut vorstellen, dass diese Festungsstadt nicht so leicht einzunehmen war. Besonders Kinder turnen gerne auf diesen militärischen Exponaten herum, was ihnen manch strengen Blick einbringt.

Vorne raus das Meer , der Stadt zugewandt die Häuserzeile aus pastellfarbig angemalten Fassaden, hinter denen sich nicht nur Restaurants, Cafes und Eisdielen verbergen, sondern auch die ein oder andere Ferienwohnung. Einerseits ein verlockender Gedanke darin Ferien zu machen, andererseits hat man ständig die Besucherströme vor der Nase.

 

Möchte man jetzt schon ins Gassengewirr eindringen, dann geht man die Stufen hinunter zur Via Cavour, aber eigentlich schlendert man weiter die Bastioni entlang oder setzt sich auf einen Caffé hin und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Übrigens, am Abend kann man hier sehr romantisch bei Kerzenlicht speisen, allerdings kann es auch passieren, dass einem dann der Wind ganz ordentlich das selbige Licht ausbläst.

Wir kommen an den letzten Turm, den Torre di San Giacomo und schwenken wieder nach links Richtung Piazza Sulis. Auch hier reiht sich ein Ristorante ans andere. Wir sitzen immer sehr gerne genau am Torre in einer Bar und schauen den Flaneuren zu.

 

Abends versammelt sich hier am Eck auch gerne die Jugend zum romantischen Sonnenuntergang zu zweit.

An der Piazza Sulis trifft man auf die Straße Simon, die zur Piazza Porta Terra führt und so ist das centro storico umrissen. An dieser Piazza steht auch der Torre dello Sperone, den man besteigen kann und oben  dann mit einer wunderbaren Sicht über die Dächer und Kirchtürme des alten Algheros belohnt wird.

 

Jetzt gehen wir innenrein und laufen die Gässchen rauf und runter, eins ums andere.

Wir kommen an der Chiesa San Michele vorbei, die eine wunderschöne bunte Kuppel aus Kacheln ziert.

Wir gehen den Touristenhighway, die Via Principe Umberto , entlang an Geschäften der unterschiedlichsten Art. Ein Haufen chinesische Scheußlichkeiten konkurrieren mit allerfeinstem Korallenschmuck.

Übrigens, lasst euch nicht von den billigen Importkorallen becircen. Die echten Korallen aus Alghero sind nur für echt teuer Geld zu haben und werden nur noch nach ganz strengen Kontingenten vor Alghero abgebaut. Ob man überhaupt nun solch ein Schmuckstück haben muss, sollte jeder für sich entscheiden.

Wir kommen an Palazzi vorbei, ehemaligen Bischofssitzen, den Gassen mit den bekannten Steinbogenstützen und natürlich an zahlreichen Ristorante, Gelaterien , Bars.

Verhungern muss keiner in Alghero. So einen richtig tollen Tipp kann ich gar nicht geben. Hochgelobt wird das Angedras, dessen Lage natürlich schon für sich spricht. Wir haben verschiedene Lokalitäten schon besucht, ich möchte aber jetzt keines besonders hervorheben und so richtig mies war auch keines. Letztendlich könnt ihr auch den Tripadvisor zu Rate ziehen und euch die Bewertungen durchlesen. Ist halt immer viel subjektiv und oftmals wechseln auch Besitzer und was einstens gut war, ist jetzt anders.

Man kann sich aber auch in der Markthalle in der Via Mazzini mit frischen Produkten eindecken und selbst etwas Gutes kochen.

Am Ende der Via Principe trifft man auf die Kathedrale Santa Maria, ein doch gewaltiger Bau mitten in der Altstadt. Rechts davon eröffnet sich die Piazza Civica, wo sich auch der Laden des bekannten Designers Maras befindet.

Am letzten Samstag im Monat wird dort ein Antiquitätenmarkt aufgebaut, in dem man auch nachts  noch wunderbar stöbern kann.

An der Piazza ist noch eine gute Gelateria.

Da kauft man sich eine volle Waffel Mirtoeis, geht mit diesem durch das Tor wieder hinaus an den großen Hafen und setzt sich auf ein Bänkchen.

In Richtung Norden schließt sich die vierspurige Via Garibaldi an, wo sich ein mehr oder weniger schönes Hotel ans andere reiht. Davor die Strandpromenade mit Spaziergängern, Radfahrern und den üblichen Verkaufsständchen. Den Stadtstrand dort finde ich nun alles andere als schön und außerhalb der Saison müffelt es dort auch gerne mal, weil Strandgras und Algen nicht weggeräumt werden. Hinter der Via Garibaldi findet man die ganz normalen Wohnhäuser, viele Appartmenthäuser für Touristen, Supermärkte, Banken. Dort findet auch in der Viale Europa mittwochs der normale Wochenmarkt statt. Richtung fertilia kommt noch der Campingplatz Mariposa und dann steht man auch schon kurz vor Fertilia.

Im Süden schließt sich die Lungomare Dante an. Dort stehen auch ein paar Fünf-Sterne-Bunker für den betuchten Algherobesucher, neben normalen ,kleineren Hotels. Und dann geht es raus aus dem Ort auf die eindrucksvolle Panoramastraße nach Bosa.

Ein paar praktische Tipps noch zum Schluss.

Parken kann man sehr gut an der oben beschriebenen Via Garibaldi. Dort gibt es rechts und links zwei riesengroße Parkplätze, zum Teil mit Gebühren, die aber angemessen sind. Bevor man sich also stundenlang duch die Innenstadt quält auf der Suche nach durchaus vorhandenen, aber meist besetzten Parkplätzen, biegt man am besten dort ein.

In Alghero gibt es neben den Hotels, teuer und billig, gut und weniger gut, immer mehr B&B, die eigentlich einen sehr gepflegten Eindruck machen. Besonders schön ist ein B&B in der Altstadt. Aber reinfahren in das centro darf man nicht. Es ist eine sogenannte ZTL-Zone ( traffico-limitato) und das wird rigoros geahndet, sodass ein Strafzettel durchaus auch die Hunderteuromarke überschreitet, besonders wenn man mehrfach reinfährt. Also vorher immer den Vermieter befragen nach den Anreisemöglichkeiten.

Zum Baden muss man rausfahren. Nördlich von Alghero, Richtung Capo Caccia sind die erwähnten zwei Strände Bombarde und Lazzaretto. Da sie jetzt nicht besonders groß sind, sind sie entsprechend voll. Die Kosten der Schirmchen und Liegen lassen einen auch ohne Sonnenbrand rot anlaufen.

Wir sind immer noch weiter gefahren zur Mugonibucht. Dort gibt es auch einen riesengroßen Parkplatz und eine nette Strandbar.

Südlich von Alghero wird es schwierig mit Baden. Eigentlich gibt es da nur noch die Cala Speranza und dann nur noch Steilküste.

Wir hatten einmal eine sehr schöne Ferienwohnung auf einem alten Landgut. Die Besitzer waren sehr freundlich und bei Wein und Gebäck auch sehr gesprächig. Auf dem Gut sind zwei Ferienhäuser verteilt, eines besonders für Familien geeignet, die vielleicht noch Opa und Oma dabeihaben.

Das Gut liegt etwas südlich der Stadt im Bereich Calabona und heißt  http://www.podere-canunget.it/

Wir waren im Hotel Alma di Alghero, naja, im Hotel Alguer, ebenfalls naja und außerhalb an der SS 127 im  http://www.hotelsacheyarelais.it/en, das wirklich sehr empfehlenswert ist und außerhalb der Hauptsaison auch bezahlbar.

 

 

 

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