Lunissanti in Castelsardo

Am Montag nach Palmsonntag, dem sogenannten Lunissanti,  findet in Castelsardo ein ganz besonderer Prozessionszug statt, den wir vor einigen Jahren zumindest teilweise mitbegleitet haben, zusammen mit tausend anderen Besuchern.

Schon früh am Morgen versammeln sich in der Kirche Santa Maria delle Grazie mit ihrem berühmten Christo Nieddu, dem schwarzen Christus,  Chöre und Laienbrüder zur ersten Messe und um die sogennannten Misteri, Symbole des Kreuzzuges Jesu, mitzunehmen auf ihrer mittelalterlichen Prozession, die den ganzen Tag über andauert.

Der ganze Pilgerzug zieht dann von Castelsardo aus weiter nach Tergu, das immerhin etwa 10 Kilometer weiter auf dem Berg  oben liegt.

Dort werden in der Kirche Nostra Signora di Tergu die zehn Misteri abgelegt und außenherum um die Kirche beginnt ein fröhliches Familienfest mit gemeinsamen Mittagessen und Spielen für die Kinder. Das Fest gleicht  jetzt eher einem Frühlingsfest. Am späten Nachmittag setzt sich der Zug wieder in Richtung Castelsardo in Bewegung, wo am Abend die feierliche Rückführung der Symbole zusammen mit den Chören, zwölf Apostoli, aber auch Frauen aus der Schwesternschaft, als auch Kinder in traditionellen Kostümen teilnehmen.

Jetzt ist die Zeit für den Höhepunkt der Prozession gekommen. In der Altstadt auf dem Burgberg werden sämtliche Lichter gelöscht. Allein Fackeln, die an den Häuserwänden entzündet werden, spenden flackerndes Licht. Man wartet und plötzlich hört man den Gesang der Chöre, die gruppenweise langsam mit dem Symbolträger voran die Stufen und Gässchen der Altstadt erklimmen.

 

Sie bleiben immer wieder stehen und stimmen ihre gregorianischen Gesänge an, wie zum Beispiel das bekannte stabat mater.

Umringt werden die Sänger von Frauen und Kindern. Alle tragen ein weißes Kapuzengewand und Kerzen. So mancher Schauer kann einem da schon den Rücken hinunterlaufen.

Aber die Scharen von Besuchern , bewaffnet mit fototechnischer Ausrüstung auf dem letzten technischen Stand lindern diese Gefühl ganz schnell.

Ebenso das harsche Gedränge um den besten Platz für das Foto schlechthin. Zugegebenerweise ist auch unser Foto griffbereit dabei, wir haben uns aber ein Plätzchen oberhalb gesucht und hatten dadurch einen guten Überblick.

Zwischendurch hörte ich Fragen, ob dieser „unheimliche “ Umzug denn den Kindern zuzumuten wäre, aber wer in die stolzen Gesichter der Kinder schaut, die als Begleitung dabei sind, der weiß schnell, dass dies sicher ein Höhepunkt für sie sein wird. Da beeindruckt auch der Totenkopf das kindliche Gemüt nicht nachhaltig.

 

Zwischendrin, um dem Trubel zu entwischen, haben wir uns noch eine beeindruckende Ausstellung angeschaut.

Dieser Umzug hinterlässt bei mir zwei Gefühle. Einerseits beeindruckt dieser mittelalterliche Umzug. Man hat das Gefühl in einer anderen Zeitepoche zu sein. Andererseits, bedingt durch die schiere Anzahl der Touristen, verkommt das Ganze zu einem Spektakel. Ob die Einwohner Castelsardos das so goutieren, weiß ich nicht.

Ein kleiner Tipp zum Schluss. Wir haben unser Auto unten in Castelsardo am Lungomare Anglona abgestellt und zunächst direkt gegenüber  in der Trattoria der Antica Pensione Pinna  sehr gut gegessen.

Anschließend sind wir zu Fuß hoch ins centro storico gelaufen. Etwas anstrengend, aber anders geht es eigentlich nicht.

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