Asinara – der letzte Inselzipfel im Nordwesten

Schon jahrelang haben wir uns vorgenommen einen Ausflug auf die Insel Asinara zu machen. Im  Mai 2016 war es dann endlich soweit. Wir haben uns im Fischerdorf Stintino in einem Hotel für drei Tage eingemietet und planten unseren besonderen Tag.

Obwohl uns an der Hotelrezeption die mehr als nette Dame den Vorschlag machte, den Ausflug für uns zu organisieren, bildete ich mir ein, dass ich das in Stintino lieber selbst in die Hand nehmen möchte. Also machten wir uns am Nachmittag in den Ort auf, um dort auf nur eine einzige geöffnete Agentur zu stoßen. Der Rest hatte wohl noch keine Lust die zugegebenermaßen wenigen Turisten um diese Zeit auf die Insel zu befördern und dort zu betreuen.

Also rein in die Agentur und angefragt. Ich erntete, nachdem ich die Kommunikation der Damen wohl nachhaltig gestört habe, nur unfreundliche Antworten auf meine Anfragen und eigentlich die Auskunft, dass nur was geht, wenn genügend  Besucher die Jeeptour buchen. Ansonsten bleibt nur der Bummelzug, den ich unbedingt vermeiden wollte. Aber die Inseltour musste sein. Zurück im Hotel, nahm ich dann doch das Angebot der Rezeptionistin an und flugs war die Jeeptour am nächsten Tag organisiert. Hätte ich gleich machen sollen, aber man lernt ja dazu.

Am nächsten Morgen ging es um 9Uhr los und vom Hafen aus starteten wir, zusammen mit mehreren Schulklassen und einigen versprengten Touristen Richtung Asinara. Eine kurze Überfahrt führte uns zum Häfchen in Fornelli. Dort stiegen die Schulklassen lärmend und mit jedweden digitalen Medien bewaffnet  in die Bummelzüglein, dazwischen ein paar arme Erwachsene, die diese Tour gebucht hatten. Wir warteten auf unseren Jeep, der sogleich mit einem extranetten Guide bestückt um die Ecke bog.

Gut, hinten im Wagen war es schon sehr eng und die Knie befanden sich ungefähr auf Nasenhöhe, von Polsterung der verlängerten Rückseite möchte ich schon gar nicht sprechen. Nur gut, dass es noch nicht so heiß war.

Wir fuhren zunächst über Schotterwege entlang der südwestlichen Küste. Kurz darauf der erste Stopp, an dem uns der Guide, übrigens in verständlichem Englisch die Blumen- und Tierwelt der Insel erklärte und zeigte.

Es war interessant zu erfahren, dass nahezu alle Pflanzen sehr giftig seien. Besonders im Frühjahr sorgt die  weitverbreitete Euphorbia für ein prächtiges Farbspektakel in sämtlichen Rottönen, aber sie ist eben auch giftig mit ihrem weißen Milchsaft,also Finger weg. Danach ging es zurück auf die betonierte Strecke, die etwa 25km entlang der Insel führt.

Unterwegs stießen wir schon auf die ersten weißen Esel, die Besonderheit der Insel schlechthin. Wobei der Name mit diesen Eseln aber überhaupt nichts zu tun hat. Asinara kommt nicht von Asino, sondern von Sinuaria, was soviel wie „geschwungene Küste“ bedeutet. Es handelt sich um Albinoesel, die leider aufgrund ihres Gendefekts sehr krankheitsanfällig sind. Deshalb gibt es auch eine Krankenstation für sie auf der Insel. Allerdings vermehren sie sich doch ganz gut und mit Glück sieht man auch ein kleines Eselchen.

Die männlichen Esel jedoch bekämpfen sich sehr gerne und auch sehr hart, deshalb sieht man durchaus auch verletzte Tiere. Ansonsten gibt es aber auch die ganz normalen graubraunen Esel, die gekennzeichnet sind durch ein schwarzes Kreuz auf dem Rücken.

 

Weiter ging es in Richtung Cala Reale, vorbei an der engsten Stelle der Insel und an verschiedenen Buchten mit smaragdgrünem, glitzerndem Meerwasser, wie der Cala Sant `Andrea .

Unser Guide erklärte uns die verschiedenen Parkschutzzonen. In Zone A darf man sich überhaupt nicht bewegen, keinesfalls vom Wege abgehen in der Hoffnung einen schönen Strandabschnitt belegen zu können oder ein besonderes Fotomotiv mit Esel zu erhaschen. Ebenso darf man hier nirgends mit dem eigenen Boot anlanden. Es winken Strafen bis hin zu über tausend Euro, also bitte bleiben lassen. Es wird streng geguckt und aufgepasst, was auch vollkommen richtig ist.

Kurz vor Cala Reale befindet sich eine Schildkrötenstation, wo verletzte oder geschwächte Tiere versorgt und dann wieder in Freiheit entlassen werden. Leider war unseren Mitfahrern die Zigarettenpause wichtiger als die Station, wir haben sie aber trotzdem besucht  und kamen dann nach. Sie ist jetzt nicht riesengroß, aber wichtig und jeder Euro Unterstützung ist hilfreich.

Ich hatte mir eingebildet, dass die Gefängnisinsel, was Asinara ja lange Zeit auch war, ein großes Gebäude auf der Insel als Gefängnis hat. Weit gefehlt, die Gebäude sind in unterschiedlichem, zum Teil schon verfallenem Zustand über die ganze Insel verteilt.

So kamen wir an verschiedenen Gebäuden vorbei, durchaus auch noch in intaktem Zustand und konnten diese aber nur aus dem Jeep heraus kurz anschauen.

Schon im ersten Weltkrieg wurden hier österreichische Kriegsgefangene untergebracht und zwar nicht gerade komfortabel. Schnell breiteten sich Seuchen wie die Malaria oder Cholera aus und zigtausende Gefangene kamen ums Leben. Ein Ossarium erinnert daran, ebenso wie ein Quarantänegebäude in Cala Reale.

Dort haben wir dann auch eine ausführliche Pause eingelegt. Essen und Trinken sollte man selbst mitbringen, da es nicht so einfach ist unterwegs etwas zu kaufen.

In den 70er Jahren wurden dann aber auch für damalige Verhältnisse moderne Hochsicherheitsgefängnisse gebaut, in denen Schwerstverbrecher, Terrorristen und Mafiabosse gefangen gehalten wurden, wie etwa der „berühmte“ Totó Rina. Alle vier Wochen wurden die Wächter ausgetauscht, damit keine Beziehungen aufgebaut werden konnten, erzählte uns unser Guide. Geflohen ist von der Insel nahezu keiner. Ein sardischer Bandit hat es mal versucht, schaffte es auch mithilfe seiner Frau von Stintino aus, aber man fasste ihn wieder und es ging zurück. 1997 war dann endgültig Schluss mit den Gefängnissen, weil ihr Unterhalt in die Milliarden ging  und die Insel wurde 1999 in einen Naturschutzpark umgewandelt.

Die ganzen Verwaltungsgebäude der Beamten, Wärter, sogar die Käserei, in der die weniger gefährlichen Gefangenen gearbeitet haben stehen noch in Cala d` Oliva und harren einer anderen Verwendung. Es wurde schon behauptet, dass dort ein Hotelkomplex für Betuchtere entstehen solle, glaube ich aber nicht.

Nach Cala d`Oliva wurden wir dann noch auf Schüttelwegen in die Cala Sabina chauffiert , wo wir einen Badestopp hätten machen können, wenn es nicht Anfang Mai gewesen wäre.

Also gab es nur eine Auszeit auf den von der Sonne aufgewärmten Felsen und einem herrlichen Ausblick . Auf den natürlich abgeschliffenen Felsen haben wir uns nieder gelassen und uns eine halbe Stunde ganz alleine aufgehalten und die Natur auf uns wirken lassen.

Es war ein Traum , hier jetzt noch der Blick aus der nächsten Bucht in Richtung Korsika, der nächste Traum.

Der Tag war schon weit fortgeschritten und der Rückweg nach Fornelli stand an. Unterwegs trafen wir wieder auf die Bummelzüglein, die halt nur auf den geteerten Wegen fahren können.

Für einen kleinen Abstecher abseits des Hauptweges langte die Zeit dann doch noch und so holperten wir zurück zur Schiffsanlegestelle, wo unser Schiff schon auf uns wartete und am späten Nachmittag nach Stintino zurückschipperte.

Es war wirklich ein lohnenswerter Ausflug. Als Tipp würde ich empfehlen nur im Frühjahr diesen Ausflug zu machen, wenn die Landschaft noch nicht von der Sonne verdörrt und nur noch braun ist. Auf den Zug würde ich auf jeden Fall verzichten. Es gibt im Sommer die Möglichkeit mit einem Bus vom Schiffsanleger aus nach Cala d` Oliva zum Baden zu fahren. Man kann die Insel auch mit dem Fahrrad auf den ausgewiesenen Wegen erkunden oder wohl auch mit so einer Art von Golfwägelchen. Hier kommt man aber nicht von den geteerten Wegen weg. Wandern geht auch, aber dann sieht man nur einen kleinen Ausschnitt der Insel und das wäre schade.

Die Schiffstouren können von Stintino oder Porto Torres aus gemacht werden. Es gibt von Porto Torres aus ein Linienboot, das auch die Förster oder Arbeiter auf die Insel bringt, also wäre man dann ungebunden. Ich würde das aber nicht empfehlen, da einem dann viel Wissenswertes, das die Guides einem erzählen verloren gehen würde. Mit einem Preis von 50€ / Person für den Ganztagesausflug/ Selbstverpflegung  ( 2016, Mai) waren wir auch gut bedient.

Zur Info: http://www.parcoasinara.org

Wir waren im http://it.parkhotelasinara.com 

Es hat uns gut gefallen, die Zimmer in den oberen Etagen haben einen schöneren Ausblick, sind aber auch teurer. Der Preis Anfang Mai war sehr günstig, das Frühstück sehr gut, vielfältig und frisch. Also ein guter Stützpunkt für den Ausflug, auch im Hinblick auf die Organisation des Ausflugs durch die  engagierte Rezeptionistin.

 

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