Janna `e Pruna – nuraghisches Heiligtum am Hausberg von Irgoli

Die kleine, deshalb aber nicht weniger interessante und vor allem sehr aussichtsreich gelegene Ausgrabungsstätte am Monte Senes ist allemal einen Besuch wert. Man kann dort im Kleinformat die Strukturen eines heiligen Ortes der Nuragher gut studieren. Also machten auch wir uns auf den Weg dorthin, der über die schmale kleine Landstraße Irgoli- Norghio zur Passhöhe am Monte Senes führt.

Entweder nimmt man am nördlichen Ende Irgolis die Umgehungsstraße , fährt den braunen Hinweisschildern nach und erreicht nach etwa 12 km die Passhöhe oder man fährt ein Stück weit die SP 72, die nach Capo Comino führt und biegt dann bei Km 5 links  in eine schmale Straße ab, die ebenso hochführt zur Ausgrabungsstätte.

Schon die Nuragher benutzten diese „Passstraße“  zur Passhöhe Janna`e Pruna, allerdings war die da noch in einem ganz anderen Zustand. Heute ist sie asphaltiert und gut befahrbar.

Und oben an der Passhöhe war dann der heilige Ort Janna`e Pruna, das Tor zum nächsten Tal, gerade richtig für erschöpfte Wanderer und Pilger. Hier ist genau der Ort, der beide Täler, das des Cedrino auf der einen Seite und das des Rio Siniscola auf der anderen Bergseite verbindet. Also ein ganz zentraler Ort mit wunderbarer Aussichtslage und eine wichtige Verbindung von der Küste ins Landesinnere.

Die Ausgrabunsstätte befindet sich genau an der Straße und erstreckt sich von der Höhe hinunter in das Tal des Rio Remulis. Dort, an dessen Quelle wurde das Brunnenheiligtum su Notante freigelegt und teilweise restauriert. Teilweise deshalb, weil vorab einfach eine Quellfassung gebaut wurde, die das damals noch unbekannte Brunnenheiligtum etwa zur Hälfte zerstörte.

Ein paar Schritte vom Eingang entfernt stößt man zunächst auf die Reste eines Tempels.

Dieser Tempel wurde aus Granitgestein gefertigt und besteht aus zwei Räumen. einem rechteckigen Vorraum  und dem kreisförmigen Innenraum mit der typischen zentralen Feuerstelle und den Resten einer Steinbank, die man mit viel  Mühe noch erkennen kann.

Der Tempelbezirk ist durch einen elliptischen und einen rechteckigen Mauerring umschlossen.

Auf dem Weg hinunter zum Brunnenheiligtum kommt man noch an zwei freigelegten Gebäuden vorbei, eines davon ist allerdings sehr stark beschädigt, da darin unbefugt herumgegraben wurde. Das andere , kreisförmige Gebäude könnte ein Pförtnerhaus des Tempels gewesen sein.

Die Führerin erklärte uns, dass man davon ausgeht, dass in der Umgebung noch zahlreiche Gebäude unter mediterranem Gestrüpp verborgen sind, aber leider keine weitern Ausgrabungen derzeit geplant sind.

Entlang des Abstiegs hat man netterweise noch den ein oder anderen Baum gekennzeichnet, sodass man gleich noch eine kleine botanische Einführung bekommt.

Dann erreicht man das Tal des Remulis, gleich fühlt man die Ruhe und sanfte Kühle dieses Ortes. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies eine Versammlungsstelle war, wo man sich in den heißen Tagen des Sommers gut ausruhen und unterhalten konnte, sowie auch heilige Zeremonien stattfanden.

Wir haben uns auch gerne ausgeruht und den Ort auf uns wirken lassen, zumindest die eine Seite. Man muss die Quellfassung aus den zwanziger Jahren einfach übersehen, obwohl das so leicht nicht ist, schade drum.

Im Prinzip ist es ein kleines Brunnenheiligtum, das aber trotzdem den großen, wie etwa su Tempiesu, sehr ähnlich ist im Aufbau mit seinen Basaltblöcken . Mir hat es da drunten am besten gefallen, aber irgendwann ging es dann doch wieder nach oben.

Die sehr nette Führerin gab uns noch den Hinweis, dass ausgegrabene Gegenstände aus Keramik oder Bronze im kleinen Museum in Irgoli zu sehen sind.  http://www.museoirgoli.it

Nach der Besichtigung kann man die Straße Richtung Locanda Norghio nehmen, diese Locanda habe ich allerdings noch nie geöffnet erlebt. Daran fährt man vorbei und nimmt die oben beschriebene Strecke hinunter zur SP 72.

Oder man wandert dort oben noch ein bisschen herum, z.B. auf den Monte Senes ( 862 m) und wird mit wirklich schönen Ausblicken belohnt . Keinesfalls sollte man aber die oben noch ganz ordentlich aussehende Straße runter Richtung Siniscola ins Auge fassen. Diese ist weiter unten nicht mehr befahrbar und früher oder später kommen alle zurück, wie uns die Führerin mit Augenzwinkern erklärte.

Wir haben die Straße runter zur SP 72 genommen und sind dann vorgefahren zum Capo Comino, wo wir den Tag am Strand ausklingen ließen.

Garmin GPS Daten von Janna `e Pruna: N40° 29.141′ E9° 38.901′

 

Der Link zum Museum in Irgoli :

Museum in Irgoli

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